Von Witsand nach Montagu

Bevor wir unsere neue Unterkunft in Montagu ansteuerten, wollten wir noch einen kleinen Abstecher ins „De Hoop Nature Reserve“ machen.

Eigentlich sind es bis dorthin nur circa 50km, wenn man die letzte handbetriebene Fähre über einen kleinen Fluß Richtung Malgas nimmt. Leider fanden dort aber gerade Reparaturarbeiten statt… Ich stieg kurz aus dem klimatisierten Auto in die sengende Hitze und unterhielt mich mit zwei älteren Südafrikanern, die mir sagten es wäre besser den 1,5 Stunden längeren Weg zu nehmen, da man in dieser Gegend in Südafrika nie wissen könnte, wie lange solche Reparaturen dauern können und man so eventuell einen ganzen Tag mit Warten verbringen kann. Die nicht aspahltierte Umgehungsstraße, im Englischen auch gerne „Dirt Road“ genannt schüttelte uns dann drei Stunden ordentlich durch.

Die Kinder überbrückten die lange Fahrt mit dem „Kleinen Wassermann“, was der Fahrt ausnahmsweise etwas sehr meditatives verlieh, da wir diesmal alle Vier dem Hörspiel lauschten. Angekommen an einer Tankstelle kurz vor dem Naturreservat wollten wir kurz einen kleinen Mittagssnack nehmen, aber Zoe wollten partout nicht aussteigen und Ihr Stimmungsbarometer stieg innerhalb kürzester Zeit dermaßen in den roten Bereich, dass wir an der Tankstelle einen extrem temperamentvollen Wutausbruch mit herumfliegenden Sandwiches erlebten.

Angekommen im „De Hoop Nature Reserve“ war die Stimmung wieder etwas besser, auch dank des „Dschungelbuch“-Hörspiels, hier sei wirklich mal erwähnt, welch beruhigende Wirkung Hörbücher auf Kinder haben können… 

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Das „De Hoop Nature Reserve“ beeindruckt durch seinen tollen Ausblick auf das tosende Meer und die endlos weiten Sanddünen, auf denen die Kinder sich richtig auspowern konnten und wir Wettrennen machten, wer es als Erstes auf die höchste Düne schafft.

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Etwas gedankenversunken saß ich noch lange auf einer Sanddüne und schaute auf den Ozean.

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Zum ersten Mal während unserer Reise hatte ich das Gefühl, dass es falsch ist nichts zu tun oder ich beruflich auf keinen grünen Zweig mehr komme, wenn ich jetzt die ganze Zeit nichts mehr tue. Da ich am Vorabend aus Langeweile :-), einen alten Arbeitskollegen von mir gegoogelt habe und er in Wien gerade extrem erfolgreich ist und kurz vor seiner vierten Restaurant-Eröffnung steht.

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Am frühen Abend kamen wir endlich in Montagu an… alle waren hungrig und müde, äußerst ungünstige Vorzeichen um mal wieder in einer neuen Umgebung anzukommen. Dementsprechend angespannt war die Stimmung, zu allem Überfluss war die Unterkunft auch noch teurer als ursprünglich gedacht, was Steffi zusätzlich nervös machte. Nach einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen mir und Zoe ging ich wieder gespielt grinsend zurück zur Rezeption und fragte den, durch unsere Lautstärke, etwas irritierten Herren wo man den hier am besten mit Kindern Abendessen könne, beziehungsweise welche Restaurants den kinderfreundlich wären. Er gab mir einen Tip und wir machten uns, alle etwas angespannt, auf den Weg zum Restaurant „Street 22“. Wie sich ziemlich schnell herausstellte, handelte es sich hier nicht um ein legeres Restaurant mit Kinderspiel-Area, sondern um das beste Restaurant der Stadt, mit schick gedeckten Zweiertischen und weit und breit keine Familien zu sehen, sondern nur sich ruhig unterhaltende Pärchen… ein kurzer Blick auf unsere Mädels, mit Augenringen und verzottelten Haaren, und Steffi und ich wussten… No Way, das geht gar nicht.

Kurzerhand entschlossen wir uns, an diesem doch recht kühlen Abend, auf der nicht gedeckten Terrasse zu sitzen. Am Ende war es ein sehr entspannter Abend, mit schönen Unterhaltungen mit den Kindern und dem bis dato besten Essen, das wir Südafrika genießen durften.

Montagu selbst ist ein kleines verträumtes Städtchen, mit Häusern im viktorianischen Stil und in allen Himmelsrichtungen traumhaft umschlossen von den kargen, felsigen Bergen.

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Am nächsten Morgen hatten wir endlich Zeit unsere neue Unterkunft zu entdecken. Die „Kogman & Keisie Farm“ liegt am Stadtrand von Montagu, mit herrlichem Blick auf die Berge. Wunderschön angelegt mit vielen Lavendelsträuchern, Granatapfel- und Olivenbäumen. Einem Spielplatz für die Kids, vielen Hühnern, Schafen, Gänsen und Enten, sowie einem tollen Wintergarten umrahmt von Weinreben und einem Gemüsegarten.

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Als ich mit Steffi so über das Anwesen schlenderte, träumten wir mal wieder so vor uns hin… „Das ist es eigentlich was wir möchten… Ein Selbstversorger-Haus, mit einigen individuellen Appartements zur Vermietung… Man müsste nur das passende Fleckchen Erde finden.“

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Apropos Fleckchen, Zoe und Lilith waren ganz verliebt in die vier Farmhunde, welche sehr zutraulich sind und sich gerne von den Kindern streicheln ließen. Einer der Hunde wurde von Zoe liebevoll „Flecki“ getauft. 

Bis wir es endlich schafften, dass alle angezogen und abfahrbereit waren, war die Frühstückszeit schon längst vorbei und alle schon wieder komplett ausgehungert.

Im Moment haben wir noch keinen richtigen Alltag und vor allem an den, doch oft recht strapaziösen Reisetagen, fehlt es den Mädels einfach an den Grundbedürfnissen Schlaf und Hunger. Das zeigte sich auch wieder beim Mittagessen, als Zoe vor lauter Hunger in einem Wutanfall in einen Teller heiße Pasta griff und diese auf dem Tisch verteilte… am Ende wurden aber doch alle satt und wir fuhren zum Fabrikverkauf der Firma „Montagu Fruits“. Montagu ist die Hauptstadt der Trockenfrüchte, dass merkt man nicht nur an der Vielzahl an „Dried Fruit & Nuts Shops“, sondern auch an dem Untergrund der meisten Autoeinfahrten und Innenhöfen. Sie sind nicht ausgelegt mit Kies oder ähnlichem, sondern mit Pfirsich- und Aprikosenkernen. Nach meiner Frage: „Who has eaten all those peaches?“, wurde mir geantwortet, dass eine hier ansässige Firma auf die Idee kam den Trockenfrucht-Herstellern die Kerne abzunehmen und diese zu trocknen und weiter zu verkaufen. Da gerade in Trockenzeiten, man hier große Probleme mit all dem Staub hat und die Fruchtkerne kein Staub aufwirbeln im Gegensatz zu Kies.

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Bei „Montagu Fruits“ hatten wir eine spontane und schöne Begegnung mit einer Dame, die uns zweifelsfrei als Touristen erkannte und uns, zwischen den Regalen zu flüsterte, dass man die getrockneten Mangos für den halben Preis ein paar Straßen weiter bekommen würde. Sie könne uns den Weg gerne zeigen, wir sollen Ihr einfach hinterherfahren, sie komme regelmäßig aus Oudtshoorn hierher um Trockenfrüchte und Nüsse einzukaufen. Man merkte mal wieder, wie hilfsbereit und nett die Menschen in Südafrika sind. Sie behielt auch recht und wir deckten uns mit getrockneten Mangos ein…

Am späten Nachmittag besuchten wir noch den zweiten „unique selling point“ der Stadt die überall angepriesenen „Montagu Hot Springs“. Leider entpuppten sich die „Montagu Hot Springs“ nicht als romantisch im Fels gelegene heiße Quellen, sondern einfach als ein an ein Hotel grenzendes Freibad mit beheizten Becken. Die Kinder hatten trotzdem Spaß…

Samstags morgens besuchten wir den Wochenmarkt Montagu`s. Ein sehr kleiner unscheinbarer Markt, auf dem ich aber ein äußerst leckeres, frittiertes Hefegebäck gefüllt mit einem pikanten indischen Curry essen durfte. Was mich dermaßen kulinarisch überraschte, dass ich mich sehr lange mit der sympathischen Dame unterhielt und Sie mir erzählte, dass sie diesen Stand hier schon seit zwanzig Jahren betreiben würde. Ohne zu zögern diktierte Sie mir das Rezept für den Teig und gab mir noch Ihre Nummer, falls ich irgendwie Probleme hätte, zwecks der Konsistenz des Teiges.

Gut gestärkt machten wir uns danach auf, die unzähligen Weingüter in der Umgebung zu erkunden.

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Die Kinder hatten darauf natürlich nicht wirklich Bock und verbarrikadierten sich mit Ihren Hörspielen im Auto, was mehrfach dazu führte, dass ich und Steffi bei einer Weinprobe saßen und urplötzlich die Alarmanlage unseres Mietautos anging, da sich die Mädels einschlossen und dann doch die Autotür aufrissen, weil sie merkten… Oh ich muss mal schnell Pippi.

Das Weingut „Springfield“ liegt malerisch an einem kleinen See und lädt mit seiner grünen Wiese und den schattigen Plätzen unter den großen Bäumen zum verweilen ein, nur leider konnten die Weine uns nicht wirklich überzeugen.

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Das zweite Weingut, De Wetshof, lief uns geschmacklich auch nicht wirklich rein, beeindruckte aber mit seinem herrschaftlichen Anwesen, das sich vor dem Weißen Haus in Washington nicht verstecken muss. Am schönsten war aber die nette Unterhaltung mit einem Pärchen aus Kapstadt, die Ihre Wochenende hier verbrachten und mit uns im Garten ein Wine-Tasting machten. 

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Zu erwähnen sei noch, dass ich auf einer mit Palmen gesäumtem Parkplatzauffahrt leicht unseren Toyota Corolla Mietwagen hinten gegen eine Palme bugsierte. Zum Glück aber ohne sichtbaren Schaden… ein Schelm, wer dabei denkt es lag an den Weinproben.

Den Sonntag verbrachten wir gechillt auf der Farm, Steffi schrieb an Ihrem Tagebuch, die Kinder spielten mit den Tieren und ich versuchte mich am Anstieg auf den Gipfel des Hausberges.

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Am nächsten Morgen hieß es für Zoe und Lilith Abschied nehmen von Ihrem geliebten Flecki… Zoe: „Oh man, ich werde nie wieder so einen besonderen Hund wie Fleckchen haben, mit zwei unterschiedlichen Augen… *schnief*…“

Danach ging es auf zu unserer vorerst letzten längeren Autofahrt Richtung Stellenbosch.

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