Von Stellenbosch nach Kapstadt

Am Morgen unseres Reisetages machten wir noch einen kleinen Halt zum Frühstück auf dem „Root 44 Food Market“. Eigentlich gab es auf dem Parkplatz mal wieder einen Familienstreit, der damit endete, dass Zoe und Steffi allein in die Food-Markt Hallen gingen und Lilith und ich ein paar Runden im klimatisierten Auto auf dem Parkplatz drehten und warteten, dass die beiden mit dem Frühstück wieder kamen.

Doch Freude strahlend kamen Steffi und Zoe, mit frisch gebackenem Focaccia und hausgemachter Limonade wieder heraus und riefen uns zu: „Max, da musst Du unbedingt noch rein, den Food Market musst du sehen…“

Hier verbrachten wir den ganzen Vormittag mit tollem Essen… pikantes Lammragout, mit konfierten Kirschtomaten und frischer Minze, fantastische Crepes und hausgemachter Cranberry-Apfel Limonade rückten den schiefen Haussegen wieder gerade.

Gut gestärkt machten wir uns nun auf Richtung Cape Town, aber nach dreißig Minuten Fahrzeit fiel uns auf, dass wir unsere kleine Tasche im Kleiderschrank unserer Unterkunft in Stellenbosch vergessen hatten… mit den Kreditkarten und allen vier Reispässen… *fuck* Sofort rief ich bei der hinterlegten Nummer von Eugene ( unser Airbnb-Host ) an und schilderte ihm unser Missgeschick. Glücklicherweise hatte seine Putzfrau die Sachen schon entdeckt und wartete vor Ort auf uns.

Als wir kurz vor Kapstadt waren zeigte sich Südafrika mal wieder als Land der krassen Kontraste. Wir fuhren eine Landstraße direkt an der Küste entlang, links von uns ein wunderschöner weißer Sandstrand mit türkis-blauem Wasser und rechts an den Sanddünen beginnend „Shacks“ ( die Wellblechhütten ) so weit das Auge reicht bis zum Horizont. In den „Cape Flats“, wie dieses Gebiet mit den vielen verschiedenen Township heißt lebt ein Großteil der Kapstädter Bevölkerung. Schätzungsweise circa eine Million Menschen…

Unsere erste Unterkunft lag etwas außerhalb des Stadtzentrums direkt am Meer in Kalk Bay. 

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Wir kamen am frühen Nachmittag an und wurden von der liebenswerten Michelle mit einem etwas gebrochenem „Hörzlich Willkämmen in Cape Town!“ begrüßt. Die gebürtige Kapstädterin war viele Jahre mit einem Deutschen verheiratetet und sprach daher einige Brocken deutsch. Ihr Apartment liegt direkt am kleinen Stadthafen etwas versteckt in einer schönen Seitenstraße mit einem wundervollen Patio und ist mit vielen liebevollen Details eingerichtet. Hier fühlten wir uns auch auf Anhieb wohl.

Wir machten uns gleich auf und erkundeten das Viertel… am Stadtstrand, der eigentlich nur aus einem kleinen Sandstreifen unter einer Fußgängerbrücke bestand und einem trüben Hafenbecken feierten einige hundert Afrikaner lautstark Ihren Samstag mit aufgebauten Zelten, lauter Musik und viel Bier. Es erinnerte mich etwas an die Strandparty in Port St. Johns… auch hier herrschte eine Stimmung wie bei einem Festival, was etwas skurril wirkte, da zehn Meter weiter die weißen Touristen in den teils schicken Cafés saßen und Ihren Cocktail schlürften.

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Vorne am Fischerei-Hafen beobachteten wir noch zwei Seelöwen, die im Hafenbecken Ihre Runden drehten und auf herabfallende Fischabfälle warteten.

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Zum Mittagessen gingen wir ins „Olympia“, ein legeres und recht lautes Restaurant, das eher an eine Hafenkneipe erinnert, mit offener Küche und einer Toilette die man über die Vorbereitungsküche erreicht. Hier erhält man auch einen kleinen Einblick in die angeschlossene Bäckerei. Den Tip für diesen Laden bekamen wir vor einigen Wochen an der Wild Coast von einem Schweizer Ehepaar, die meinten: „Wen Ihr in Kalk Bay seid, müsst Ihr unbedingt ins Olympia, ein etwas alternatives Restaurant, mit super Seafood…“

Es lag tatsächlich direkt in unserer Straße, hier wurden wir in unseren zwölf Tagen Cape Town so etwas wie temporäre Stammgäste. Sehr einfache Gerichte mit Produkten in sensationeller Qualität. Morgens holten sie die Miesmuscheln direkt vom Fischerhafen auf der gegenüberliegenden Straße und Mittags kamen die Muscheln, ganz klassisch mit Knoblauch und Weißwein, auf den Teller… auf dem vermackten Holztisch mit Blick auf den Hafen, frisch gebackenem Baguette und einem Glas Chenin Blanc… ein Traum!

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Am nächsten Morgen gab es mal wieder eine lautstarke Diskussion mit den Mädels, was sich dann, wie so oft, auch in einen Streit zwischen Steffi und mir verwandelte.

„Wenn es in Thailand nicht besser wird, dann brechen wir die Reise ab und buchen einen Rückflug…“ PUNKT… *Tür wird zu geschmettert*

Da ich immer noch vom südafrikanischen Heuschnupfen geplagt war, floh ich aus der Situation und machten mich auf den Weg zur einzig am Sonntag geöffneten Apotheke am Muizenberg Beach. Schon Morgens um acht Uhr tummelten sich hier unzählige Surfer im Wasser und auch am heillos überfüllten Parkplatz sah man reihenweise Leute auf Ihren geöffneten Kofferraumklappen sitzen und sich in scheinbar viel zu enge Neopren-Anzüge zu zwängen. Später stellte sich heraus, der Muizenberg Beach gilt als der Surfspot für Anfänger. Da durch den hier vorherrschenden Wind und die Lage der Bucht, sehr flache weitläufige Wellen einfallen. Nun verstand ich auch warum das Umziehen und das Tragen des Surfbrettes bei vielen so unbeholfen aussah…

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Hier bemerkte ich außerdem sofort die vielen Hinweise der sogenannten „Shark Spotter“. In den Gewässern vor Muizenberg kommen viele Weiße Haie vor.

Die „Shark Spotter“ arbeiten an der südafrikanischen False Bay mit einem Programm, was in seiner Art auf der Welt einmalig ist. Freiwillige Helfer sorgen mit einer Hai-Überwachung an verschiedenen Stränden oder an hochgelegenen Aussichtspunkten, wo man das Meer gut überschauen kann, für Sicherheit.

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Überwacht wird an 365 Tagen im Jahr an verschiedenen Stränden der False Bay. Die Badegäste und Surfer können sich mittels einer App über die Gefahrenlage informieren, ebenso gibt es ein Warnsystem in Form von verschieden farbigen Flaggen, wird ein Hai gesichtet ertönt eine laute Sirene und eine weiße Flagge wird gehisst. Alle müssen sofort das Wasser verlassen. Hai-Angriffe sind hier daher auch sehr selten geworden, aber über tausend Sichtungen von grossen Weißen Haien im Jahr zeigen, dass die Arbeit der „Shark Spotter“ hier sehr wichtig ist.

Mittags fuhren wir zum ersten Mal in die Innenstadt, eine Panorama-Bergstraße führte uns aus Kalk Bay raus und wir hatten eine tolle Sicht über die False Bay. 

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Weiter auf der Stadtautobahn blickten wir auf die Skyline und den Hafen von „Mother City“, wir umrundeten den Tafelberg zur Hälfte und steuerten die V.A. Waterfront an.

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Die Victoria & Alfred Waterfront ist DIE touristische Attraktion Nummer eins in Südafrika, noch vor dem Krüger Nationalpark und der Seilbahn auf den Tafelberg. Der restaurierte Werfthafen ist übersät mit Touri-Souvenir Shops und Attraktionen, gesehen haben sollte man es aber trotzdem mal… hier gab es ein leckeres Mittagessen in den angrenzenden Food Market Hallen und die Kids tobten sich auf den Spielplätzen aus.

Abends genossen wir noch ein Glas Sauvignon Blanc mit Blick auf den Tafelberg. Später auf dem Weg zurück, sahen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, der die Berge in ein kitschiges Rosa tauchte…

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Am nächsten Morgen hatte Steffi einen Termin bei einem der vielen trendigen Friseure Kapstadts. Ich verbrachte den Vormittag mit Zoe und Lilith in einem coolen Indoor-Spielplatz mit Kletterparcours, Laser Hockey und Autorennen…

Nachmittags machten wir alle zusammen eine Tour mit einem Sightseeing Bus.

Eigentlich hätten Steffi und ich gerne mehr von der Stadt gesehen, aber die beiden Mädels dafür Tag für Tag zu begeistern war äußerst schwierig. Eine offener Doppeldecker-Bus, wie in Berlin, wurde als Aktivität daher zumindest akzeptiert. Die Tour führte einmal durch die Stadt und dann hoch zur Seilbahn-Station des Tafelbergs, der an diesem Tag, wie so oft, komplett in Wolken lag, aber in die andere Richtung hatte man einen traumhaften Ausblick auf ganz Cape Town.

Danach ging es den Tafelberg runter an der Küste entlang nach Camps Bay, laut Tour-Veranstalter der teuerste, aber auch schönste Teil Kapstadts. Diese Meinung konnten wir nicht wirklich teilen, uns gefielen die engen und steilen Seitenstraßen in der Innenstadt mit den vielen bunten Häuschen viel besser, als dieser zugebaute Abklatsch von Miami Beach. Weiter ging es dann nach Sea Point, am Final-Stadion der WM 2010 vorbei und zurück zur Waterfront am Greenpoint.

Leider mussten wir am Tag darauf nochmal umziehen, da das uns sehr lieb gewonnene Appartement in Kalk Bay für unsere letzten fünf Tage ausgebucht war. Unsere zweite Unterkunft in Kapstadt und damit letzte in Südafrika lag keine drei Autominuten von unsere vorherigen entfernt, im direkt angrenzenden Stadtviertel St. James. Leider war das Gartenhäuschen nicht ganz so schön, wie unser Apartment in Kalk Bay und erinnerte im Inneren eher an einen Wohnwagen, kostet dafür aber fast dreißig Euro mehr… ( !!! ) Vielleicht lag es an dem Garten hinter dem Haus, der wirklich schön war…

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Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit Reisevorbereitungen und Abschiedsstimmung machte sich breit, aber auch etwas Sorge vor dem langen Flug mit den Kids. Mit der Fahrt zum Airport in Kapstadt, einem Zwischenstop in Johannesburg, umsteigen in Singapur und anschließendem Flug nach Bangkok würden wir fast zwanzig Stunden unterwegs sein. 

Steffi kümmerte sich in Kapstadt nochmal um ausreichend Beschäftigungsmaterial… Sticker-Alben, Ausmal-Bücher und ganz wichtig… mit ausreichend Hörspiel aufgeladene iPads.

In einer der unzähligen riesigen Shopping Malls kauften wir noch einige Snacks für die Reise und ließen bei einem der vielen „Car Wash“-Stationen in den Parkhäusern zum ersten Mal nach zwei Monaten das Auto waschen und den ganzen Sand, von zwei Safari-Touren, ausklopfen.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zum Boulder Beach, der Strandabschnitt liegt auf der Kap-Halbinsel und beheimatet eine große Pinguin-Kolonie… Hier hatten die Kids viel Spaß mit frei herumlaufenden putzigen Pinguinen. Zoe fand hier auch einen Seestern…

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Anschließend fuhren wir noch zum Kap der guten Hoffnung, natürlich ein Touri-HotSpot. Alleine der Parkplatz ist schon komplett überlaufen, es folgt ein Reisebus dem anderen. Ganz zu schweigen vom Wanderweg hoch auf den Aussichtspunkt. Aber am lustigsten ist wirklich die meterlange Schlange an Menschen, die eine halbe Stunde anstehen, um sich vor dem berühmten Schild ablichten zu lassen, das dann bezeugt das man am süd-westlichsten Zipfel des afrikanischen Kontinents war… Wahnsinn, was Leute so alles tun für ein popeliges Foto…

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Die Aussicht und die Landschaft am Kap haben, mit dem Gedanken, das ab hier nur noch der Ozean ist und danach der Südpol kommt, etwas fast majestätisches… wir stiegen den Fels noch bis zur Hälfte hoch und genossen den Moment mit den unglaublich starken Windböen.

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An unserem vorletzten Tag vor der Abreise fuhren wir noch zum einzigen deutschen Buchladen in Kapstadt am Fuße des Tafelbergs, da Lilith im Moment so heiß darauf ist zu lesen und wir nach neuem Lese-Lernmaterial suchten. Danach besuchten wir den „Sea View Food Court“, der sehr an die Markthalle Neun in Kreuzberg erinnerte, nur das man hier mit Blick aufs Meer die Leckereien genießt. Den Rest des Tages verbrachten wir auf einem Abenteuer-Spielplatz direkt an der Strandpromenade mit eigener Bimmel-Bahn.

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An unserem letzten Tag wollte Lilith nicht mehr raus und ich verbrachte mit Ihr fast den kompletten Tag in unserem Cottage, während Steffi und Zoe noch etwas an der schönen Strandpromenade von St. James und Kalk Bay bummelten. Am frühen Abend gingen wir zum Abschluss nochmal im Olympia essen, um dann zeitig im Bett zu liegen. Den am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen… und ab zum Flughafen.

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Nach acht Wochen und fast 6000 zurückgelegten Kilometern ging unsere Südafrika-Reise nun zu Ende. Nach zwei tollen Safari-Touren im Krüger- und Addo Elephant Nationalpark, aufregenden Tagen in den Metropolen Jo´burg, Durban und Kapstadt, sowie tollen Zwischenstopps an der Wild Coast, den Drakensbergen und der Garden Route, um nur einige zu nennen, können wir festhalten, dass Südafrika mit seinen so unterschiedlichen beeindruckenden Landschaften fasziniert. Aber auch die vielen Momente, in denen man den krassen Kontrast zwischen Arm und Reich und nach wie vor die Trennung zwischen Schwarz und Weiß in diesem Land sieht, bleiben. In den unendlichen Weiten der Transkei mit seinen einfachen Bauerndörfern ohne Strom oder den vielen Shack-Vierteln rund um die Großstädte, aber eben auch den prunkvollen Villen in Jeffreys Bay und Kapstadt.

Bleiben werden aber auch die schönen Momente mit all den Menschen, die wir während unserer Reise kennenlernen durften, angefangen mit den vielen tollen und hilfsbereiten Gastgebern in unseren Unterkünften, aber auch die vielen spontanen, kurzen und längeren Begegnungen mit den vielen sympathischen und lustigen Menschen während unserer zu jedem Zeitpunkt sicheren Reise.

Südafrika….du Regenbogen-Nation hast uns schwer beeindruckt… jetzt freuen wir uns aber auch auf Asien… Weiter geht`s!

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