Peru… Familienzeit in Trujillo

Buenos Aires, Argentinien, 5.20 Uhr

Etwas verschlafen, aber beschwingt und gut gelaunt machten wir uns mal wieder sehr früh auf den Weg zum Flughafen. Die Bar auf der anderen Seite scheuchte gerade die letzten Gäste raus. Warum müssen die Flugzeuge denn immer so früh am Morgen abheben? Unser Ziel war Peru, genauer gesagt die Hauptstadt Lima, mit einem kleinen Zwischenstopp in Santiago de Chile. Der Flug war wie die letzten davor ziemlich entspannt und ruhig.

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Nachdem wir unser Gepäck beisammen hatten und zwischen den unzähligen wartenden Menschen am „Internationalen Flughafen Jorge Chavez“ unseren Fahrer ausgemacht hatten, ging es mit dem Taxi ins Aqua Hotel in San Luis, in der Nähe des Stadtzentrums. Die Fahrt dorthin führt durch das Hafenviertel Callao, einige Industriegebiete und das Viertel La Victoria. Alles sehr dicht besiedelte Bezirke, die eher zum unsicheren Teil von Lima gehören. Der Himmel war, wie fast immer hier, wolkenbedeckt und zusätzlich war bei unserer Ankunft, wie sich später herausstellte, ein Großbrand in einer Textilfabrik, weshalb eine riesige Rauchwolke über uns hing. Alles in allem eine ziemlich schräge Szenerie bei unserer Ankunft.

Die erste Konversation an der Rezeption im Hotel zeigte mir knallhart, auf welchem Sprachniveau ich mit meinem Spanisch wirklich bin. Da hatte ich mich von meiner „Spanisch Babel App“ wohl etwas blenden lassen… schließlich sagte die App mir immer zu: „Super, Max, toll gemacht!“… „Klasse, weiter so!“… ganz so gut war es dann doch nicht 🙂

Naja irgendwie konnten wir der Dame am Schalter dann gemeinsam klar machen, dass wir noch unsere Bustickets für die morgige Fahrt in ausgedruckter Form benötigen.

Ohne große Erwartungshaltung gingen wir noch in ein nahe gelegenes Restaurant, in dem wir unser erstes super leckeres Ceviche auf peruanischem Boden aßen. Der Anfang von vielen tollen kulinarischen Erlebnissen, die unsere ganze Peru-Reise begleiten sollten.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Busunternehmen Cruz del Sur ins circa zehn Stunden entfernte Trujillo im Norden Perus. Hier müssen wir gleich mal ein Loblied auf die Fernbus-Unternehmen in Peru einstimmen. Diese ganze mickrige Buskultur, rund um Flixbus und wie sie alle heißen in Deutschland, sollte mal hier ein Praktikum machen. Die Busse sind super gut ausgestattet mit tollen Sitzen a la „Business Class Lufthansa“. Es gibt für jeden Sitz Multimedia-Entertainment, Kopfkissen, eine Decke und vor allem viel Beinfreiheit. Außerdem gibt es mehr oder weniger annehmbares Essen und Getränke. Auch ist die Abwicklung ( Einchecken & Gepäck, etc. ) mehr als angenehm und das Personal super freundlich. Alles in allem als Transportmittel Nummer eins in Peru wärmstens zu empfehlen.

Während der Fahrt fiel uns auf, wie wenig wir uns eigentlich auf Peru vorbereitet hatten. Das fast die komplette Strecke durch eine Wüstenlandschaft führt, war uns gar nicht bewusst. Auch die für „unser deutsches Empfinden“ unverputzten Rohbauten… so zumindest wirken die meisten Häuser, waren auch ein uns nicht bekanntes und neues Bild. Wobei sich dieser Baustil bis nach La Paz in Bolivien durchziehen sollte.

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Als wir Abends endlich in Trujillo ankamen, wurden wir von meinem Bruder schon am Busbahnhof erwartet.

Denn außer das wir auch unbedingt den Norden Perus kennenlernen wollten… waren wir hier für die große Hochzeitsfeier von… wie Zoe und Lilith dann immer im Duett riefen: „Tante Ana und Onkel Fred!!!“

Die Kolonialstadt Trujillo ist die wichtigste Stadt nördlich von Lima und gilt als Kulturhauptstadt Perus. Das Bild der Innenstadt und rund um den Plaza de Armas ist geprägt von der spanischen Kolonialzeit, mit den typischen Holzbalkonen und den tollen Innenhöfen. Die wichtigen archäologischen Fundstätten ( Chan Chan und Moche Huaca del Sol y la Luna ) rund um die Stadt sind ein beliebtes Ausflugsziel. Durch die Nähe zum Pazifik herrscht hier immer ein angenehmes frühlingshaftes Klima.

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Das Wiedersehen mit Oma, Opa und der ganzen Familie von Ana war für uns alle nach sieben Monaten auf Reisen ein wirklich toller und schöner Moment. Vor allem die Kids fieberten schon seit Wochen auf diesen Tag hin.

Ana`s Eltern, Mery und Carlos, hießen uns alle in ihrem Haus willkommen und wir fühlten uns auch sofort wie zu Hause, weshalb wir hier auch für fast drei Wochen blieben :-)… sie gaben sich wirklich alle Mühe, das es uns und den Mädels gut geht.

Sogar ein kleine Ostereier-Suche wurde am Ostersonntag für Zoe und Lilith organisiert, obwohl dieser europäische Brauch hier ziemlich unbekannt ist.

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Tags darauf besuchten wir die Hauptstadt des präkolumbischen Chimú-Reiches… Chan Chan, beziehungsweise das was noch davon übrig geblieben ist. Das große Areal mit den Lehmbauten, die teilweise noch sehr gut erhalten sind, wurden 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Doch vor allem die Witterung setzt den Ruinen immer mehr zu.

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Die folgenden Tage gab es noch ein gemeinschaftliches Grillen, die Hochzeitsprobe in der Kirche, Einkleidung der Braut und der Blumenmädchen ( unter anderem Zoe und Lilith ) und viele nette Abende auf der Dachterrasse mit Cusqueña Cerveza und Blick auf das abendliche Trujillo.

Das Taxi fahren in Trujillo und in Peru im allgemeinen ist hier ein ganz normales und für fast jeden ein erschwingliches Fortbewegungsmittel. Ich glaube wir sind nirgendwo während der Reise so viel Taxi gefahren, wie in Peru. Lustig ist vor allem, dass sich auch gerne mal fünf erwachsene Personen auf die Rückbank eines Taxis quetschen… hier aber ein ganz normaler Vorgang.

So fanden wir uns auch am Tag der Hochzeit auf dem Weg zu Kirche zu Viert, wohlgemerkt im feinen Zwirn, auf der Rückbank eines Taxis… Steffi, Aurelio ( Ana´s Bruder ), ich und mein Bruder, der Bräutigam. Das nenne ich mal stilecht zur eigenen Hochzeit fahren 🙂

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Ana wurde in Ihrem tollen Brautkleid natürlich etwas bequemer und angemessener chauffiert. Die Hochzeit war ein tolles und rauschendes Fest und ich glaube zumindest ziemlich klassisch peruanisch. Hier ins Detail zu gehen, würde den Rahmen des Blogs sprengen. Alle waren super drauf, gutes Essen, viel Bier und Pisco Sour und es wurde getanzt, getanzt und später auch noch getanzt. Dank der peruanischen Coca-Cola… der Inca Kola… hielten auch Zoe und Lilith bis fünf Uhr Morgens durch und fegten am Ende noch die Tanzfläche 🙂

Noch leicht verkatert mussten wir uns am folgenden Tag auch schon wieder verabschieden. Ana, Fred und meine Eltern folgen wieder zurück nach Deutschland. Zoe und Lilith waren natürlich furchtbar traurig, dass Oma und Opa nun schon wieder weg waren.

Und auch wir mussten uns erst wieder neu sortieren, da unsere Reiseplanung nur auf diese Tage in Trujillo ausgelegt war. So entschieden wir erstmal noch etwas hier zu bleiben und anschließend den Süden zu bereisen, um von dort weiter Richtung Bolivien zu fahren.

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In den nächsten Wochen richteten wir uns hier richtig heimisch ein. Die Kids stellten das Haus auf den Kopf und ich ging fast jeden Morgen auf den Markt und wechselte mich mit Mery beim Mittagessen kochen ab. Sie zauberte immer neue peruanische Klassiker und ich kochte für sie unbekannte und neue „europäische“ Gerichte. Mery machte die mit Abstand besten Papa a la Huancaína auf unserer gesamten Peru-Reise, ein Kartoffelgericht mit einer unheimlich leckeren Soße aus der Ají Amarillo Schote.

Auf dem wuseligen Markt in Trujillo war ich bald bekannt wie ein bunter Hund. Im Gegensatz zum touristischen Süden des Landes ist ein Gringo hier immer noch ein Exot im alltäglichen Stadtbild.

Weshalb es von vielen Marktständen schallte: „Hey gringo … acá … tengo algo para ti!“ Von Tag zu Tag wurde auch das spanisch immer besser, zumindest was den einfachen Markt-Smalltalk betrifft.

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Auch zu Viert stürzen wir uns oft ins Getümmel aus Bussen, hupenden Taxis, Triller-pfeifenden Polizisten und Gehwegen die komplett zugebaut mit Straßenständen waren.

An einem strahlenden Sonntag machten wir einen Tagestrip mit Aurelio ins Surfer- und Fischerdorf Huanchaco, mit der auf den an der Strandpromenade typischen „Caballitos de Totora“, kleine Schilffboote, mit denen schon seit Jahrtausenden auf dem Meer gefischt wird.Mittags aßen wir am Strand noch mal lecker Ceviche mit Choclo ( peruanischer Mais ) und Chicharrones de mariscos. Die Kinder liebten außerdem die aus lila-Mais hergestellte Limonade… Chicha morada.

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Natürlich besuchten wir auch noch die teilweise gut erhaltenen Tempel der Moche im sogenannten Moche-Tal etwas außerhalb von Trujillo. Die Mondpyramide „Huaca de la luna“ und die Sonnepyramide „Huaca del sol“. Es sind die größten Bauwerke des alten Südamerika. Die Sonnenpyramide ist zwar für Besucher geschlossen, doch alleine die Führung durch die Hauch de la luna war super interessant und spannend, auch für unsere beiden Kids.

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Danach ging es noch zum Essen in die bekannte Cevichería „Carajito Picante“ im Stadtteil Buenos Aires. Anschließend mit einem der vielen Busse zurück, die man einfach überall heran winken kann, da es hier so etwas wie Bushaltestellen nicht gibt.

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Nach unseren ersten drei Wochen Peru konnten wir fest halten….
Hier gibt es die leckersten Avocados der Welt…
Taxis, Mini-Busse und Autos werden hier richtig vollgestopft, bis niemand mehr reinpasst…
Es gibt unzählige super leckere tropische Früchte, von denen man bei uns noch nie gehört hat…
Überall wird super leckeres Essen angeboten…
Immer on top Canchita, gerösteter peruanischer Mais…
Das meiste wird spontan entschieden und nichts lange geplant…
… und Mate de Coca hilft gegen „fast“ alles !!!

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