Halong Bucht – „Die Bucht des untertauchenden Drachens“

12. Februar, 07.00 Uhr / Hanoi, 18 Hang Hom Street, Hanoi Chic Hotel

„Hello my name is Bao… I`m your tour guide for the next days!“ So wurden wir von dem jungen netten Mann mit dem breiten Colgate Lächeln im Foyer unseres Hotels empfangen.  Etwas gezwungen lächelte ich zurück und schleifte noch die letzten beiden Rucksäcke aus dem Fahrstuhl und zog Zoe und die noch mit Nutella-Mund verschmierte Lilith aus dem Frühstücksraum… „Äh, yes… we need only a few minutes.“ antwortete ich während ich vor dem Hotel nach Steffi Ausschau hielt, die noch ein paar Sachen besorgen wollte. „No problem mister. But in five minutes we have to leave, then our bus is coming… and we go to the Halong Baaaayy!“ antwortete Bao, wobei er dabei eine ausladende Bewegung machte und mit den Mädels einschlagen wollte. Nach fünf Minuten kam auch Steffi zurück und punktgenau auch der gecharterte Bus, mit achtzehn weiteren müden Gesichtern drinnen.

Noch während den ersten Minuten der Fahrt stellte sich Bao nochmals allen Gästen vor, in seiner unnachahmlichen Art… „Hello, I´m Bao… it`s not a Chinese dish… it`s a Vietnamese name. Today we go to thhhheee… *lange Pause*… Halong Baaayyy!“ Und erläuterte den Ablauf des restlichen Tages, wobei schon da klar wurde, hier ist alles minutiös durchgeplant und nicht viel Zeit für Entspannung. 

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Der Bus brachte uns zum Hafen von Halong City von wo aus wir mit einem Beiboot zu unserer Schiff gebracht wurden, der „La Paci Cruise“.

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Das 1500qkm große Gebiet der Halong Bucht liegt im Golf von Tonkin im Norden Vietnams. Die knapp 2000 Kalkfelsen, die oft bis zu hundert Meter aus dem Meer ragen sind seit 1994 ein UNESCO-Weltnaturerbe. Schon nach wenigen Minuten auf dem Schiff türmten sich vor uns die schroffen Kalksteinfelsen auf, die teils mit dichten grünem Dschungel bewachsen sind. Ein wirklich beeindruckendes Bild…

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Wir bezogen unsere kleine, aber sehr gemütliche Koje mit eigenem Bad und kleinem Balkon.

Nach dem Mittagessen mussten wir uns ziemlich beeilen, um nach dem straffen Zeitplan pünktlich in Badekleidung zum Kajak fahren bereit zu stehen. Mit dem kleinen Beiboot wurden wir zu einem der vielen schwimmenden Fischerdörfern gefahren, wo wir in 2-Mann Kajaks umstiegen. Leider hatten wir hier keine Kamera dabei… aber Lilith und ich, sowie Steffi und Zoe hatten wirklich viel Spaß beim erkunden der vielen ganz ruhigen und mystisch wirkenden Buchten… aus dem winzigen Kajak aus, wirkten die Felsformationen nochmals mächtiger und unwirklicher. Bao erzählte uns hier noch ein wenig über die Mythologie der Bucht. Der vietnamesische Name Vịnh Hạ Long bedeutet übersetzt soviel wie „Die Bucht des untertauchenden Drachens“… man sagt die Bucht entstand durch einen Drachen, der mit seinem Schwanz das Land aufriss und die Schluchten vom Meer überflutet wurden, als er aus den Bergen zur Küste zog… so zumindest die Legende.

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Zurück auf dem Schiff hieß es, schnell umziehen, um pünktlich zum Sundowner an Deck zu sein. Mit Krabbenchips und fuseligem Rotwein, der eher wie Rotweinessig schmeckte, erklärte uns Bao den lautstarken Trinkspruch Vietnams, den wir schon ein paar mal abends in der Altstadt von Hanoi gehört hatten.

Nach dem reichhaltigen Abendessen ( das Essen war bedeutend besser, als ich auf solch einem Schiff vermutete ) eröffnete uns Bao, dass wir nach dem Frühstück, um 07.30… zu unserem Tagesausflug aufbrechen würden. Wie ich schon sagte, mit chillen war es an diesen Tagen leider nichts. P1070445.jpg

Nach dem Essen versuchten Zoe, Lilith und ich uns noch beim Tintenfisch-Angeln mit einer ganz spartanischen Bambus-Rute… und tatsächlich… selbst zur Überraschung Bao`s biss ein „Squid“ an. Natürlich gaben wir im kurz darauf seine Freiheit zurück. Nichtsdestotrotz waren Zoe und Lilith mächtig stolz.

Am nächsten Morgen holte uns ein anderes kleines Schiff ab. Unsere Gruppe auf der „La Paci Cruise“ war mit achtzehn Personen, inklusive uns, schon sehr überschaubar. Aber da die restliche Gruppe nur einen Tag gebucht hatte und nicht den Ausflug mitmachte, waren wir mit einem kanadischen Ehepaar und unserem vietnamesischen Tour Guide Mike, die einzigen Gäste auf dem Schiff.

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Auf dem Weg nach Cát Bà, der größten Insel der Halong Bucht, unterhielten wir uns sehr nett und lustig mit Dominic und seiner Frau, die extra aus Kanada anreisten und ihre Tochter in Ho Chi Min City besuchten, die dort als Lehrerin einen Job angefangen hat. 

Mike erzählte uns von seiner Freundin, die weit entfernt in der Nähe von Hanoi wohnt und das er mit ihr gerne eine Apotheke in ihrem Dorf eröffnen würde. Daher würde er hier auf einem der Schiffe als Reiseführer arbeiten… schon in Thailand registrierte ich, wie privilegiert wir in Deutschland mit einer 5-Tage Woche sind. Hier in Südostasien ist es ganz normal das man sieben Tage die Woche arbeitet und in Mike´s Fall auch noch 12 Stunden am Tag… und das für ca. 10.400.000 vietnameische Dong, umgerechnet sind das knapp 400 Euro. Für uns eigentlich nicht vorstellbar.

Es ist aber wirklich beeindruckend, mit welcher Leidenschaft er uns alles erklärte und stolz ist diesen Job zu haben…

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Wir saßen oben auf dem Schiffsdeck, während Zoe und Lilith auch kurzfristig mal das Steuer übernehmen durften. Wieder fuhren wir an einigen der schwimmenden Fischerdörfern vorbei… dies sind mehrere Stege mit sehr einfachen Holzhütten, in denen die Fischer komplett abgeschottet in sehr ärmlichen Verhältnissen wohnen, die Kinder gehen im Alter von circa fünf Jahren ins Internat nach Halong City, weit weg von Ihrem Elternhaus.

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Angekommen auf Dao Cát Bà Sattelten wir um auf Fahrräder um die Insel zu besichtigen. Für Zoe war es natürlich eine riesige Freude endlich mal Fahrrad zu fahren. Leider gab es für Lilith nur ein etwas zu großes Fahrrad, sie wollt aber natürlich auch unbedingt selbst fahren… Doch Mike sagte immer wieder, dass es eine sehr hügelige Strecke sei, mit sehr steilen Abfahrten und sie dafür zu klein wäre. Lilith standen die Tränen in den Augen und ich versuchte Mike davon zu überzeugen, sie es doch versuchen zu lassen… „No, it`s not good for the Baby…“ Nach minutenlangen Einreden auf Lilith, stieg sie bei mir auf den gepolsterten Sattel… das Wort Baby verstand sie natürlich und machte die Sache nicht leichter.

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Wir besuchten eine alte Gärtnerei mit chinesischen Tempeln, probierten Schlangenschnaps und kauften Erdnüsse für die Affen auf Monkey Island unserer zweiten Station des Tages. Dazwischen gab es noch ein leckeres Mittagessen, mit Sommer Rolls, Red Snapper und gegrilltem Pak Choi. P1070600.jpg

Auf Monkey Island wurde man tatsächlich schon am Strand von unzähligen Baboons empfangen, bei uns auch Paviane genannt. Aber im Gegensatz zu den Pavianen in Südafrika und auf Koh Chang, war die hier extrem aggressiv und aufdringlich… aber natürlich kein Wunder, wenn ihr tagtäglich dutzende von Booten anlegen und hunderte Touris mit SelfieStick bewaffnet aussteigen.

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Danach fuhren wir zurück zu unserem Schiff… Abends vergnügten wir Vier uns noch im Speiseraum mit DER vietnamesischen Freizeitbeschäftigung… Karaoke. Lilith und Zoe sind jetzt extrem textsicher beim Klassiker „Daddy cool“ von Boney M.

Am folgenden Morgen machten wir noch eine kleine Bambus-Boot-Ausfahrt in eine der vielen „Höhlen-Durchfahrten“, quasi von der Natur eingefräßte Tunnel in die Felswände.Anschließend gab es noch einen kleinen, aber unterhaltsamen Kochkurs in Sachen Sommer-Rolls. Danach ging es zurück nach Halong City und von dort mit dem Bus zurück nach Hanoi.

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Abend schlenderten wir zum letzten Mal durch Hanoi und trafen lustigerweise die zwei Tschechen, die zuvor noch mit uns auf dem Schiff waren, beim Bun Chao essen. Und kurze Zeit später in einer Craft Beer Bar das ältere holländische Ehepaar, mit dem wir noch ein sehr inspirierendes Gespräch hatten. Sie waren auch gemeinsam mit ihren zwei Kindern viele Jahre lang auf Reisen.

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Somit waren unsere zwei sehr intensiven und schönen Wochen Vietnam schon wieder vorbei. Am nächsten Morgen wartete unser Flieger nach Singapur.

Lời tạm biệt Vietnam!!

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Mit dem Nachtzug nach Lào Cai

„Nachtzug, Nachtzug… wir fahren mit dem Nachtzug!!!“ Zoe und Lilith konnten es kaum abwarten endlich mit dem Zug zu fahren… in dem man schlafen kann… in richtigen Betten.

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Der Nachtzug nach Lào Cai, eine kleine Stadt direkt an der chinesischen Grenze, war für uns alle Vier ein Abenteuer. Wir hatten eine schnuckelige Kabine für uns alleine, zwei Hochbetten und ein kleiner Holztisch mit einer Tischlampe, die den Raum in ein gemütliches Licht legte. Im Schlafanzug schauten die Kinder von ihren Betten aus dem Fenster. Das nächtliche Hanoi rauschte an uns vorbei und als wir die Stadt und deren Ausläufer hinter uns ließen schliefen wir alle schon längst tief und fest durch das Schaukeln des alten Zuges.

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Um 5.30 Uhr erreichten wir Lào Cai und wurden mit warmen Kakao und Tee vom Zugpersonal geweckt. Vom Bahnhof aus brachte uns ein Fahrer nach Ta Van… unserem Ziel, ein kleines Bergdorf im Norden Vietnams, ein paar Kilometer entfernt von dem doch sehr touristischen Sapa. Während der Fahrt ging langsam die Sonne auf und wir sahen die unendliche Hügellandschaft mit den unzähligen Reis-Terrassen. Also Steffi und ich… Lilith und Zoe schliefen auf der Rückbank jeweils links und rechts an Steffi gelehnt, mit herunter hängendem Kopf und offenem Mund 😴…

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Unsere Unterkunft, eine Berghütte, beziehungsweise muss man schon fast Berg-Loft sagen, lag malerisch an einem Hang mit Blick aufs Tal und einem großen Gebirgszug.

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Da die Besitzer im Tet – Urlaub waren, kümmerte sich Tui um uns, eine äußerst sympathische junge Mitarbeiterin. Da hier gerade Winter war, waren die Wiesen und Reis-Terrassen eher braun als grün. Tui erklärte uns aber, das in ein paar Monaten hier alles saftig grün blühen würde. Wir fanden es auch so sehr schön und genossen die Ruhe und Luft… nach den Tagen im trubeligen Hanoi.

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Als erstes fallen einem hier die H`mong und Dao-Frauen in ihren bunten Trachten auf. Sie verkaufen selbstgefertigte Kleidung, Taschen und Schmuck. Sowie eine in einen verzierten Schatulle eingebaute handgemachte Maultrommel.

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Ich kaufte natürlich gleich eine der hübschen Maultrommeln, um uns die ganze Szenerie hier noch musikalisch zu untermalen und schon war ich für die nächsten Tage ihr liebster Kunde. Überall lachten mich die Frauen an, liefen mir hinterher und versuchten mir jeden Tag etwas neues anzubieten. Das Problem war nur, dass sie alle das selbe hatten und ich dann sagen musste: „Sorry, I bought a lot yesterday. But it’s all very nice.“… „Please mister, shopping!“… „Sorry I can`t take anymore!“ So ging das den ganzen Tag, selbst wenn wir beim Essen saßen, standen die lieben Frauen strahlend lachend vor dem Fenster und hielten ihre Ware hoch.

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Apropos… das Essen hier im „Luckydaisy`s Bamboo Bar“ war das mit Abstand Beste, was wir bisher in Vietnam gegessen haben. Die Küche ist grundsätzlich recht einfach, aber die Umsetzung der traditionellen Gerichte war hier wirklich gut. Es gab eine leckere Phở zum Frühstück, gut abgeschmeckte Chả giò ( frittierte Sommerrollen ) und ein Bún cha mit frischen tollen Produkten zum Dinner. Ich werde hier nochmals separat einen Artikel zum Essen in Vietnam schreiben.

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An unserem vorletzten Tag schafften wir sogar eine kleine Wanderung mit unseren beiden  Laufwundern Zoe und Lilith. Dabei überquerten wir einen Fluss auf einer abenteuerlichen Hängebrücke und Kauten auf DER Süßspeise für unterwegs in Vietnam herum, dem frischen Zuckerrohr. Außerdem musizierten wir mit den H`mong Frauen

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Am folgenden Tag ging es über Sapa mit dem Bus zurück nach Hanoi. Gebucht hatten wir einen Sleeping Bus. Von Sapa nach La Cai wurden wir aber zusammengequetscht mit vielen Einheimischen in einem kleinen Bus  über eine Stunde zum Busbahnhof tranpsortiert. Dort wurde einem in militärischen Drill die Sitze zugewiesen und allzu groß sollte man auch nicht sein. Sonst muss man die ganze Fahrt mit angewinkelten Knien liegen… Bis zum Busbahnhof in Hanoi wurden wir am Ende auch gar nicht gefahren. Denn bis dahin waren schon alle anderen Passagiere ausgestiegen und uns wurde dann eine Bordsteinkante mitten in Hanoi als (o-Ton) „last stop… last stop!“ verkauft. Auch einige Diskussionen halfen hier nichts… und so fuhren wir  den Rest der Strecke bis zum Hotel im Taxi. Erschöpft und müde fielen wir in unsere Betten.

Ta Van war die anstrengende Reise aber auf jedenfall wert…

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Hanoi… die quirlig chaotische Metropole

Zum ersten Mal erlebte ich absolute Stille in unserem Resort in Thong Nai Pan… als ich um kurz nach sechs unsere Rucksäcke ins Taxi wuchtete. Wir hatten uns für die erste Fähre am Morgen von Koh Phangan Richtung Surat Thani entschieden, von wo aus wir nach Bangkok flogen und von dort weiter nach Hanoi, der Hauptstadt Vietnams…

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Was das Reisen angeht sind wir nun alle schon etwas routinierter und so war das Gedränge und Geschiebe in den Bus, der uns zur Fähre brachte und das Platz suchen im Schiffsbauch viel weniger stressig als sonst.

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Die Mädels verschränken lässig ihre Beine auf den Sitzen und scrollen gechillt all ihre Hörspiele auf den iPads durch und lassen sich von dem Trubel um sie herum so gar nicht beeindrucken. Somit ist es auch für Steffi und mich einfacher. Mittags erreichten wir den Mini-Flughafen in Surat Thani, der eigentlich nur aus einer etwas größeren Schulsporthalle auf zwei Etagen besteht, trotzdem zu den zehn meist frequentierten Flughäfen Thailands zählt.

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Wenn man aber noch fast drei Stunden Wartezeit überbrücken muss, ist dieser Airport ein denkbar ungünstiger Ort.

Zoe und Lilith verbrachten die Zeit damit quer durch die Halle zu rennen und sich immer an einem schlafenden Sicherheit-Beamten vorbei zu schleichen. Lilith lief immer auf Zehenspitzen und mit ausgestrecktem Zeigefinger vor dem Mund an ihm vorbei, um dann laut los zu kichern, sobald er wieder anfing zu schnarchen…

Der Flug mit Thai Lion nach Bangkok war kurz und entspannt, trotz der „Billigflieger-Beinfreiheit“.

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Unser Anschlussflug nach Hanoi hatte kurzfristig eine halbe Stunde Verspätung und so machten wir in der Wartehalle vor dem Boarding Bekanntschaft mit einer Großfamilie aus Nanning in Südchina. Die komplette Familie mit Opa und Oma war auf Familienurlaub in Thailand und trotz der großen Sprachbarriere, nur die Tochter sprach ein wenig Englisch, war es eine nette und sympathische Begegnung… mit gegenseitigem zunicken und anlächeln.

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Vor allem Lilith ist hier bei uns immer in der ersten Reihe. Beide Mädels sind hier in Asien für viele ein Blickfang, mit ihren blonden Haaren. Aber Lilith ist zusätzlich auch noch in solchen Situationen extrem extrovertiert und stellt sich gerne selbst vor: „Hello… I´m Lilith… I´m five.“ und erntet so zusätzliche Aufmerksamkeit. Während Zoe sich in solchen Situationen lieber in Steffi`s Schoß  vergräbt… und etwas Aufwärmphase benötigt.

Genau solche Momente sind es, in denen wir merken, wie wertvoll das Reisen ist und wie besonders die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus allen Kulturkreisen sind.

In Hanoi kamen wir mit über einer Stunde Verspätung an. Zoe und Lilith sind beide auch kurz vor der Landung eingeschlafen, dementsprechend verknautscht waren die beiden beim Warten vor dem Zoll, während ich irgendwie kurz einen Anflug von Verunsicherung hatte, ob ich mit dem 15 Tage visumfrei für deutsche Staatsbürger alles richtig verstanden hatte. Ich hatte das nur vor ein paar Wochen kurz gegoogelt und dann als „abgehakt“ gedanklich abgelegt… war mir jetzt aber nicht mehr so ganz sicher, da hinter uns zwei Leute standen mit irgendwelchen ausgefüllten Dokumenten eingeklemmt in einen deutschen Reispass.

Endlich waren wir an der Reihe… wie immer gingen wir geschlossen zu Viert an den Schalter… umgehend pfiff der vietnamesische Zoll-Beamte Steffi und die Kids zurück hinter die Wartelinie… schwitzend reichte ich ihm unsere Reisepässe und er fragte mich: „No Visa?“, während er abwechselnd im Pass herumblätterte und mich ansah. Ich antwortete: „Ähm, ähhh… No!?!“ Mit zusammengekniffenen Lippen und nickend stempelte er nach einander unsere Reisepässe und damit konnten wir alle den Zoll passieren.

Während Steffi Millionen von vietnamesische Dong abhob und eine SIM-Karte kaufte, suchte ich mit den Kids nach unserem Taxifahrer, der vor dem Terminal warten sollte. Steffi hatte zum ersten Mal ein Taxi übers Internet gebucht. Tatsächlich standen hier gefühlt hunderte Menschen mit hochgehaltenen Schildern herum, auf denen Namen in allen möglichen Schriften standen. Zoe und Lilith fanden schließlich aber auch unseren Fahrer mit dem Schild: „Steffanie Hasel“ 🙂

Vom Flughafen bis zu unserem Appartement waren es nochmal fast fünfzig Minuten. Die Uhr zeigte schon kurz nach Mitternacht, als wir im Taxi saßen. Auch die Stadt wirkte am Anfang wie ausgestorben. Deshalb dachten wir uns auch: „Oh das liegt wohl am Tet – Fest, das in zwei Tage ist“ 

Das vietnamesische Neujahrsfest – Tết Nguyên Đán -, heißt übersetzt Der Tag des ersten Morgens, kurz nur „Tet“ genannt.

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Doch auf einmal waren die noch eben menschenleeren Straßen voll, wie beim Karneval der Kulturen in Berlin und wir waren quasi umzingelt von Rollern, die meterhoch beladen waren mit Blumenschmuck. Menschen tummelten sich mitten auf der Straße, Autos hupten um die Wette und zwischendrin schlängelten sich Motorroller in einem Tempo, das einem manchmal der Atem stockte. Wir fuhren gerade durch den größten Blumenmarkt Hanois, der zwei Tage vor dem großen Fest natürlich Hochkonjunktur hatte. Und alle ihren letzten Erledigungen machten und sich mit Blumendeko eindeckten.

Um kurz nach halb eins erreichten wir die Hàng Đậu Số 53. Der unscheinbare Eingang zu unserem Apartment lag direkt neben einem Zierfisch-Geschäft. Zuerst zwängt man sich durch den schmalen Gang in einen dunklen Hinterhof um dann eine steile Treppe zum Apartment hochzusteigen.

Nach einer mittelmäßigen Pho Bo von einer der kleinen Garküchen in unserer Straße fielen wir alle hundemüde ins Bett.

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Am nächsten Morgen wurden wir von dem knatternden Geräusch der unzähligen Motorroller geweckt, die im Sekundentakt an unserem Fenster vorbei rauschten. Da man hier weder Zebrastreifen noch rote Ampeln als Haltegrund akzeptiert, wird hier der Verkehrsfluss, wenn man ihn denn so nennen kann :-), nie unterbrochen.

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Zoe war am Tag davor schon etwas angeschlagen und war nun an an diesem Morgen richtig krank, auch Lilith war mal wieder nicht dazu zu bringen, sich vor die Tür zu bewegen und die Stadt zu entdecken. Also marschierte Steffi los und holte uns erstmal ein herzhaftes Frühstück… 

(Alle Food-Eindrücke aus Vietnam und unserer restlichen Reise findet hier bald unter dem Menüpunkt FOOD)

Den Nachmittag verbrachte ich mit den Girls im Appartement und Steffi erforschte die Umgebung rund um den Hoan-Kiem-See, der die Altstadt von Hanoi und das französische Viertel trennt. Sie kam extrem aufgedreht wieder und schwärmte von der Lebendigkeit der Stadt und den Gedränge in den kleinen Gassen, die sich Autos, Motoroller und Fußgänger gleichzeitig teilen. Eigentlich ist die 7,5 Millionen Stadt während des Tết-Festes fast leer, da alle zu Ihren Familien fahren. Aber selbst die „übrig gebliebenen“ Einwohner machten die Stadt immer noch zu einer wuseligen, lauten und positiv chaotischen Metropole, in der die Vorbereitungen für das Fest auf Hochtouren liefen.

Die Vorbereitungen für das Tet-Fest, dem wichtigsten Ereignis des Jahres, spielen eine sehr große Rolle. Man hat umso mehr Glück im neuen Jahr, desto besser das Fest vorbereitet wurde.

Ganz wichtig dabei sind die zu erledigenden Einkäufe, zum Fest gibt es Unmengen an Süßigkeiten und alle bekommen davor neue Kleider. Außerdem gibt es die lange Tradition den Kindern und den Ältesten „glückliches Geld“ in roten Umschlägen zusammen mit Neujahrswünschen zu geben. Meist sind die Umschläge mit dem Tierkreiszeichen des Jahres verziert… dieses Jahr ist es das Schwein… was Wohlstand und Reichtum verspricht. Daher taucht das Schwein auf in allen Formen im Stadtbild auf. Auch sieht man vor und nach dem Fest vielen Menschen auf der Straße sogenanntes „Joss Papier“ verbrennen, um den Vorfahren Opfer zu bringen. Damit diese wissen, dass Ihre Kinder und Familien sich noch an sie erinnern.

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Das Haus wird aufgeräumt und geputzt, um das Unglück und alles Schlechte aus dem letze Jahr zu beseitigen und alles wird festlich mit Blumen geschmückt, hier gibt es Unterschiede je nach Region. Meinst sind es Kumquat-Bäume, Aprikosen- oder Pfirsichblüten. Traditionell isst man zum Set-Fest Trockenobst und Chung-Kuchen, Schweinefleisch mit Klebereis und gemahlener Mungobohne in Dong-Blättern. Die Wickel werden dann bis zu 12 Stunden gekocht. Ebenso gibt es die frittierten vietnamesischen Frühlingsrollen, die optisch großen Goldtücken ähneln sollen. Als Symbol für Wohlstand und finanziellen Erfolg im kommenden Jahr.

Am Tag des Festes und dem darauffolgenden Tag waren die Straßen „fast“ menschenleer, zumindest für Hanoi-Verhältnisse und die meiste Geschäfte geschlossen. Alle Vietnamesen waren ganz schick angezogen, vor allem die Frauen und Mädchen in Ihren hübschen traditionellen bunten Kleidern. 

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Wir schlenderten durch die Straßen des Altstadt-Viertels und aßen an einer der offenen Garküchen eine der vietnamesischen Spezialitäten Bún cha.  

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Eigentlich wollten wir noch zur bekannten Gleis-Straße und zum Wasser-Puppen Theater, aber Zoe und Lilith wollten sich vor lauter Krämpfen und schmerzenden Füßen ( o-Ton Lilith & Zoe ) nicht mehr weiter bewegen. Also ließen wir uns von einem der vielen Fahrrad-Rikschas überreden und fuhren zum Wasser Puppen Theater, um Tickets für den morgigen Tag zu kaufen.

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Die ursprünglich vereinbarte Preis war am Ende auf einmal, aus unerfindlichen Gründen das dreifache, was der Fahrer auch vehement einforderte. Am Ende einigten wir uns auf die Hälfte. Später als wir uns auf den Heimweg machten füllten sich die kleinen Gassen der Altstadt. P1060330

Abends gesellten wir uns noch unter einer Eisenbahnbrücke zu den Einheimischen unseres Viertels und versuchten das hier typische BBQ. Wobei dies nur eine Aluschale über einer Brennpaste ist und von grillen keine Rede sein kann. Aber wir liebten die scharfen Dips und Marinaden, sowie die frischen Salate und Kräuter. Das Ganze wird hier immer als großes Happening veranstaltet mit viel Bier und guter Stimmung… außerdem lieben Zoe und Lilith es endlich mal ohne Besteck zu essen.

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Was uns noch auffiel war, dass es in Hanoi nicht verschiedene Geschäfte verteilt über die Stadt gibt, sondern immer ein Ballungszentrum oder eine spezielle Straße für dies oder das… so gibt es zum Beispiel einen Straßenzug in dem es nur Läden mit Spielzeug gibt, zur Freude von Zoe und Lilith. Oder eine Straße in der nur Süßigkeiten verkauft werden oder nur Klebeband oder nur Baby-Zubehör.

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Im Thăng Long Water Puppet Theatre durften wir eine Vorführung besuchen. Das Wasserpuppentheater gibt es nur in Vietnam. Die Bühne besteht aus einem großen Wasserbecken auf dem die Figuren, welche aus dem Feigenbaum geschnitzt sind, schwimmen. Das ganze wird von einem Orchester begleitet. Die Stimmen leihen die Akteure im Hintergrund den Puppen. Dargestellt werden Szenen aus dem Landleben oder mystische Tänze. Zu sehen sind immer die drei heiligen Tiere, Quilin das chinesische Einhorn, Long der Drache und die Schildkröte. Wir hatten Plätze in der ersten Reihe, was auch ganz gut war, da die Mädels schon ziemlich müde waren und so sich auch mal halb liegend auf die Sitze lümmeln konnten. Trotz der vietnamesischen Sprache sahen beide während der kompletten Aufführung gespannt auch die Bühne und hatten viel Spaß.

An unserem letzten Tag mussten wir etwas Zeit überbrücken, da unser Nachtzug nach Sapa, im Norden Vietnams, erst spät Abends los fuhr.

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Also schlenderten wir nochmals durch die Straßen Hanois… aßen Bao Buns, gedämpfte und gefüllte Brötchen… tranken vietnamesischen Kaffee mit „frozen Coconutmilk“… und aßen einen extrem leckeren Papaya Salat mit getrockneten Rindfleisch und Erdnüssen.

Später machten wir noch einen kleine Stadtrundfahrt mit einem der typisch tourimäßigen offenen Doppeldeckerbussen. Eigentlich nicht gerade unser Style eine Stadt zu erkunden, aber schon in Kapstadt machten wir mit unseren extrem lauffaulen Kids gute Erfahrungen damit und bekamen so doch zumindest einen kleinen Eindruck der Stadt.

Damit ging unser erster Stop in Hanoi zu Ende… Das chaotische Gewusel in den engen Gassen der Altstadt, die Garküchen an jeder Straßenecke mit den typischen Plastikstühlen die wie Puppenmöbel wirken, die großen Kolonialvillen im französischen Viertel, aber eben auch der viele Schmutz und Müll, die schlechte Luft, der Lärm und der tägliche Wahnsinn mit dem Verkehr lassen einen definitiv nicht unbeeindruckt zurück. Jetzt freuen wir uns aber auf die Ruhe im Norden des Landes…

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