Halong Bucht – „Die Bucht des untertauchenden Drachens“

12. Februar, 07.00 Uhr / Hanoi, 18 Hang Hom Street, Hanoi Chic Hotel

„Hello my name is Bao… I`m your tour guide for the next days!“ So wurden wir von dem jungen netten Mann mit dem breiten Colgate Lächeln im Foyer unseres Hotels empfangen.  Etwas gezwungen lächelte ich zurück und schleifte noch die letzten beiden Rucksäcke aus dem Fahrstuhl und zog Zoe und die noch mit Nutella-Mund verschmierte Lilith aus dem Frühstücksraum… „Äh, yes… we need only a few minutes.“ antwortete ich während ich vor dem Hotel nach Steffi Ausschau hielt, die noch ein paar Sachen besorgen wollte. „No problem mister. But in five minutes we have to leave, then our bus is coming… and we go to the Halong Baaaayy!“ antwortete Bao, wobei er dabei eine ausladende Bewegung machte und mit den Mädels einschlagen wollte. Nach fünf Minuten kam auch Steffi zurück und punktgenau auch der gecharterte Bus, mit achtzehn weiteren müden Gesichtern drinnen.

Noch während den ersten Minuten der Fahrt stellte sich Bao nochmals allen Gästen vor, in seiner unnachahmlichen Art… „Hello, I´m Bao… it`s not a Chinese dish… it`s a Vietnamese name. Today we go to thhhheee… *lange Pause*… Halong Baaayyy!“ Und erläuterte den Ablauf des restlichen Tages, wobei schon da klar wurde, hier ist alles minutiös durchgeplant und nicht viel Zeit für Entspannung. 

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Der Bus brachte uns zum Hafen von Halong City von wo aus wir mit einem Beiboot zu unserer Schiff gebracht wurden, der „La Paci Cruise“.

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Das 1500qkm große Gebiet der Halong Bucht liegt im Golf von Tonkin im Norden Vietnams. Die knapp 2000 Kalkfelsen, die oft bis zu hundert Meter aus dem Meer ragen sind seit 1994 ein UNESCO-Weltnaturerbe. Schon nach wenigen Minuten auf dem Schiff türmten sich vor uns die schroffen Kalksteinfelsen auf, die teils mit dichten grünem Dschungel bewachsen sind. Ein wirklich beeindruckendes Bild…

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Wir bezogen unsere kleine, aber sehr gemütliche Koje mit eigenem Bad und kleinem Balkon.

Nach dem Mittagessen mussten wir uns ziemlich beeilen, um nach dem straffen Zeitplan pünktlich in Badekleidung zum Kajak fahren bereit zu stehen. Mit dem kleinen Beiboot wurden wir zu einem der vielen schwimmenden Fischerdörfern gefahren, wo wir in 2-Mann Kajaks umstiegen. Leider hatten wir hier keine Kamera dabei… aber Lilith und ich, sowie Steffi und Zoe hatten wirklich viel Spaß beim erkunden der vielen ganz ruhigen und mystisch wirkenden Buchten… aus dem winzigen Kajak aus, wirkten die Felsformationen nochmals mächtiger und unwirklicher. Bao erzählte uns hier noch ein wenig über die Mythologie der Bucht. Der vietnamesische Name Vịnh Hạ Long bedeutet übersetzt soviel wie „Die Bucht des untertauchenden Drachens“… man sagt die Bucht entstand durch einen Drachen, der mit seinem Schwanz das Land aufriss und die Schluchten vom Meer überflutet wurden, als er aus den Bergen zur Küste zog… so zumindest die Legende.

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Zurück auf dem Schiff hieß es, schnell umziehen, um pünktlich zum Sundowner an Deck zu sein. Mit Krabbenchips und fuseligem Rotwein, der eher wie Rotweinessig schmeckte, erklärte uns Bao den lautstarken Trinkspruch Vietnams, den wir schon ein paar mal abends in der Altstadt von Hanoi gehört hatten.

Nach dem reichhaltigen Abendessen ( das Essen war bedeutend besser, als ich auf solch einem Schiff vermutete ) eröffnete uns Bao, dass wir nach dem Frühstück, um 07.30… zu unserem Tagesausflug aufbrechen würden. Wie ich schon sagte, mit chillen war es an diesen Tagen leider nichts. P1070445.jpg

Nach dem Essen versuchten Zoe, Lilith und ich uns noch beim Tintenfisch-Angeln mit einer ganz spartanischen Bambus-Rute… und tatsächlich… selbst zur Überraschung Bao`s biss ein „Squid“ an. Natürlich gaben wir im kurz darauf seine Freiheit zurück. Nichtsdestotrotz waren Zoe und Lilith mächtig stolz.

Am nächsten Morgen holte uns ein anderes kleines Schiff ab. Unsere Gruppe auf der „La Paci Cruise“ war mit achtzehn Personen, inklusive uns, schon sehr überschaubar. Aber da die restliche Gruppe nur einen Tag gebucht hatte und nicht den Ausflug mitmachte, waren wir mit einem kanadischen Ehepaar und unserem vietnamesischen Tour Guide Mike, die einzigen Gäste auf dem Schiff.

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Auf dem Weg nach Cát Bà, der größten Insel der Halong Bucht, unterhielten wir uns sehr nett und lustig mit Dominic und seiner Frau, die extra aus Kanada anreisten und ihre Tochter in Ho Chi Min City besuchten, die dort als Lehrerin einen Job angefangen hat. 

Mike erzählte uns von seiner Freundin, die weit entfernt in der Nähe von Hanoi wohnt und das er mit ihr gerne eine Apotheke in ihrem Dorf eröffnen würde. Daher würde er hier auf einem der Schiffe als Reiseführer arbeiten… schon in Thailand registrierte ich, wie privilegiert wir in Deutschland mit einer 5-Tage Woche sind. Hier in Südostasien ist es ganz normal das man sieben Tage die Woche arbeitet und in Mike´s Fall auch noch 12 Stunden am Tag… und das für ca. 10.400.000 vietnameische Dong, umgerechnet sind das knapp 400 Euro. Für uns eigentlich nicht vorstellbar.

Es ist aber wirklich beeindruckend, mit welcher Leidenschaft er uns alles erklärte und stolz ist diesen Job zu haben…

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Wir saßen oben auf dem Schiffsdeck, während Zoe und Lilith auch kurzfristig mal das Steuer übernehmen durften. Wieder fuhren wir an einigen der schwimmenden Fischerdörfern vorbei… dies sind mehrere Stege mit sehr einfachen Holzhütten, in denen die Fischer komplett abgeschottet in sehr ärmlichen Verhältnissen wohnen, die Kinder gehen im Alter von circa fünf Jahren ins Internat nach Halong City, weit weg von Ihrem Elternhaus.

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Angekommen auf Dao Cát Bà Sattelten wir um auf Fahrräder um die Insel zu besichtigen. Für Zoe war es natürlich eine riesige Freude endlich mal Fahrrad zu fahren. Leider gab es für Lilith nur ein etwas zu großes Fahrrad, sie wollt aber natürlich auch unbedingt selbst fahren… Doch Mike sagte immer wieder, dass es eine sehr hügelige Strecke sei, mit sehr steilen Abfahrten und sie dafür zu klein wäre. Lilith standen die Tränen in den Augen und ich versuchte Mike davon zu überzeugen, sie es doch versuchen zu lassen… „No, it`s not good for the Baby…“ Nach minutenlangen Einreden auf Lilith, stieg sie bei mir auf den gepolsterten Sattel… das Wort Baby verstand sie natürlich und machte die Sache nicht leichter.

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Wir besuchten eine alte Gärtnerei mit chinesischen Tempeln, probierten Schlangenschnaps und kauften Erdnüsse für die Affen auf Monkey Island unserer zweiten Station des Tages. Dazwischen gab es noch ein leckeres Mittagessen, mit Sommer Rolls, Red Snapper und gegrilltem Pak Choi. P1070600.jpg

Auf Monkey Island wurde man tatsächlich schon am Strand von unzähligen Baboons empfangen, bei uns auch Paviane genannt. Aber im Gegensatz zu den Pavianen in Südafrika und auf Koh Chang, war die hier extrem aggressiv und aufdringlich… aber natürlich kein Wunder, wenn ihr tagtäglich dutzende von Booten anlegen und hunderte Touris mit SelfieStick bewaffnet aussteigen.

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Danach fuhren wir zurück zu unserem Schiff… Abends vergnügten wir Vier uns noch im Speiseraum mit DER vietnamesischen Freizeitbeschäftigung… Karaoke. Lilith und Zoe sind jetzt extrem textsicher beim Klassiker „Daddy cool“ von Boney M.

Am folgenden Morgen machten wir noch eine kleine Bambus-Boot-Ausfahrt in eine der vielen „Höhlen-Durchfahrten“, quasi von der Natur eingefräßte Tunnel in die Felswände.Anschließend gab es noch einen kleinen, aber unterhaltsamen Kochkurs in Sachen Sommer-Rolls. Danach ging es zurück nach Halong City und von dort mit dem Bus zurück nach Hanoi.

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Abend schlenderten wir zum letzten Mal durch Hanoi und trafen lustigerweise die zwei Tschechen, die zuvor noch mit uns auf dem Schiff waren, beim Bun Chao essen. Und kurze Zeit später in einer Craft Beer Bar das ältere holländische Ehepaar, mit dem wir noch ein sehr inspirierendes Gespräch hatten. Sie waren auch gemeinsam mit ihren zwei Kindern viele Jahre lang auf Reisen.

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Somit waren unsere zwei sehr intensiven und schönen Wochen Vietnam schon wieder vorbei. Am nächsten Morgen wartete unser Flieger nach Singapur.

Lời tạm biệt Vietnam!!

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